Bayerische Akademie Ländlicher Raum

26.09.2018 zurück

Bayern Mobilität 2030

Rückblick auf das Symposium am 19. September 2018 in München.

 

In dem Symposium der Bayerischen Akademie Ländlicher Raum und des Bayerischen Bauindustrieverbands wurden wichtige Aussagen aus dem Abschlussbericht der Enquete-Kommission „Gleichwertige Arbeits- Lebensbedingungen in Bayern“ und der Expertenkommission "Mobilität 2030 Bayern" vorgestellt

 

Auf dem Podium waren:
Prof. Dr. Manfred Miosga, Universität Bayreuth, Mitglied des Beirats für Raumordnung des Bundesministeriums des Innern, für Bau und Heimat sowie der Enquete-Kommission „Gleichwertige Lebensbedingungen in ganz Bayern“

Josef Geiger, Präsident des Bayerischen Bauindustrieverbandes

Dr. Karin Jäntschi-Haucke, StMB, Geschäftsführerin der Expertenkommission „Bayern Mobilität 2030“

Prof. Dr.-Ing. Holger Magel, Präsident der Bayerischen Akademie Ländlicher Raum - Moderator und Mitglied in beiden Kommissionen

Max Gibis, MdL, Mitglied der Enquete-Kommission (CSU)

Joachim Hanisch, MdL, Mitglied der Enquete-Kommission (Freie Wähler)

Markus Ganserer, MdL, Mitglied der Enquete-Kommission (Die Grünen)
 
 
Miosga erläuterte, auf welcher Grundlage die Enquete-Kommission gearbeitet hat ...
... um "gleichwertige" Lebensverhältnisse und Arbeitsbedingungen beschreiben zu können, wurde das Modell der vier Gerechtigkeitsdimensionen entwickelt (zu den Dimensionen wurdn auch 42 Indikatoren zugeordnet):

 

Für ihn zeigt sich: "Die Erreichbarkeit bzw. der Zugang zu Angeboten der Daseinsvorsorge ist eine Schlüsselfunktion für die Herstellung räumlicher Gerechtigkeit - damit das Thema Mobilität" Und weiter: "Ein dichtes ÖPNV-Angebot ist die Grundvoraussetzung zur Teilhabe und sozialen Inklusion"
Geiger: "Unternehmen gehen dorthin, wo sie gute Infrastruktur haben. Wir brauchen weiterhin einen Ausbau der Straßen– und Schieneninfrastruktur."
Hier merkte Klaus-Dieter Josel (DB Konzernbevollmächtigter für den Freistaat Bayern) an, dass die Schieneninfrastruktur "ausgereizt" ist. Um hier Abhilfe zu schaffen, investiere die DB 1,3 Milliarden Euro ins Netz.. Aber er machte auch klar: "Die DB AG hat die Bahn modernisiert und wirtschaftliche gemacht; für Fragen der Daseinsvorsorge ist die öffentliche Hand zuständig".
Die Abgeordneten waren sich in einem Punkt sofort einig: "Das Auto bleibt auch weiterhin für viele Bürger wichitg, aber der ÖPNV hat an Bedeutung stark zugenommen".
Ein Problem, das sowohl das Podium als auch das Publikum beschäftigte: Die "Kleinstaaterei". So gebe es einen Flickenteppich an Nahverkehrsverbünden und Tarifsystemen. Jde Kommune versuche sich an eigenen ÖPNV-Lösungen, überregionale Abstimmungen kämen kaum voran.
In drei Modellregionen, die als Ergebnis von "Bayern Mobilität 2030" gebildet wurden und vom Ministerium gefördert werden, versucht man praktische und v.a. übertragbare Erkenntnisse zur Verbesserung der Mobilität vor Ort zu gewinnen:
  • Der Landkreis Berchtesgadener Land will den ÖPNV bessser mit seinen Nachbarn vernetzen, das heißt mit dem Landkreis Traunstein und dem Land Salzburg: "Wir wollen Kombitickets entwickeln, die sowohl den Einheimischen wie den Touristen zugute kommen".
  • Der Landkreis Bayreuth setzt auf Elektromobilitätsstrategien im ländlichen Raum und will die Verkehrssysteme in funktional leistungsfähigen "Mobilitätsknoten" verknüpfen. Ein Augenmerk liegt dabei auch auf der Akzeptanz - und die weitere Entwicklung - von vorhandenen Bus- und Zugangeboten. "Problematisch sind die kleinen Ortsteile oder Regionen wie das Fichtelgebirge und die Fränkische Schweiz, wo flexible Formen wie Bürgerbus oder Anrufsammeltaxi fehlen. Ehrenamtliche Fahrer sind immer schwieriger zu gewinnen".
  • Landkreis Cham ist ein Flächenlandkreis. Das macht es schwer, die ÖPNV-Angebote überall im ländlichen Raum aufrechtzuerhalten. Daher versucht  man, die Auslastung durch einen neuen Ansatz zu verbessern. Da viele Senioren Hemmungen haben, Rufbusse in Anspruch zu nehmen, soll stattdessen der Arzt, bei dem er einen Termin vereinbart hat, den Rufbus bestellen. "Wir probieren, ob wir hier eine Software entwickeln und marktfähig machen können."
Dr. Karin Jäntschi-Haucke und Helmut Schütz vom Bayerischen Bau- und Verkehrsministerium verwiesen auf weitere Initiativen der Staatsregierung, die aktuell angegangen werden, etwa neue Tarifmodelle, die Stärkung und Ausweitung der Verkehrsverbünde oder das bayernweite E-Ticket: "Das Ziel ist, dass man nur ein Ticket für die Fahrt von A nach B braucht, auch wenn man dabei verschiedene Verkehrsträger nutzt".
[Siehe auch Pressemitteilung der Staatskanzlei vom 25. September 2018,
link zu pdf hier]
 
So konnte Magel ein positives Fazit ziehen: "Die Lage ist nicht so schlecht, die Zusammenarbeit mit Bau- und Verkehrsministerium ist konstruktiv und vertrauensvoll. Es ist viel geschehen - gleichwohl bleibt einiges zu tun. Interssant wird es, wenn es um die Auswertung der Modellprojekte geht"
Einen Bericht von Ralph Schweinfurth können Sie in der Bayerischen Staatszeitung lesen externer link

 

Silke Franke, 26.09.2018

Bilder: BBIV

 

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