Bayerische Akademie Ländlicher Raum

18.01.2018 zurück

Heimat ohne Landschaft?

Rückblick auf eine interessante Diskussionsrunde

Am 4. Dezember 2017 fand eine Veranstaltung der Bayerischen Akademie der Schönen Künste  zum Thema „Heimat ohne Landschaft“ statt. Bereits die Veranstaltungsankündigung versprach eine interessante Diskussion:
Führt die beschlossene Lockerung des Anbindegebots im Landesentwicklungsprogramm trotz der abwägenden Rücksichtnahme auf das Orts- und Landschaftsbild zu weiterem Flächenkonsum und einer nicht wieder gut zu machenden Zerstörung unserer Landschaften? Zählen nur noch Steuereinnahmen und der Kommerz? Ist der Schutz unserer Kulturlandschaft nur noch ein Thema für Sonntagsreden?
Dabei geht es doch um viel mehr als um Flächen, Nutzung und Gewinn. Es geht um unser landschaftskulturelles Erbe, es geht um unsere Heimat!
Der Einstieg mit einem Ausschnitt aus dem Film „Bayern, Boden, Beton – Wie viel Zersiedelung verträgt das Land?“ von Meinhard Prill war sehr ernüchternd. Bayern droht sich zu verändern und hat sich in den letzten Jahren verändert. Große Gewerbegebiete an Autobahnen oder Bundesstraßen prägen bereits unser Landschaftsbild.
Prof. Holger Magel, Präsident der Bayerischen Akademie Ländlicher Raum, beleuchtete und hinterfragte in seinem Impulsvortrag „Landschaft unter Druck – wo bleiben die roten Linien?“ die Entwicklungen von unterschiedlichen Seiten. Vertreten die vielen Experten und Verbände, die sich schon lange sehr kritisch gegenüber dem neuen Landesentwicklungsprogramm und dem Thema Landschaftseingriffe äußern, womöglich gar nicht die Meinung des Volkes? Gibt es nicht verschiedene Sichtweisen und Meinungen über unsere Landschaft und Heimat? Müssen wir aufgeschlossener sein für Veränderungen in Richtung funktionale Landschaften? Sind die massiven Veränderungen unserer Landschaft der Preis für unseren hohen Lebensstandard? 
Aber warum warnt dann gerade das wirtschaftsnahe Consultingunternehmen McKinsey in seinem Gutachten „Bayern 2015“ vor der Überschreitung einer roten Linie, die das Inventar an identifikationsstiftenden Objekten wie Landschaften, Bräuchen und Traditionsvereinen schützen soll? Warum spricht Ministerpräsident Horst Seehofer von der Sorge um die Bewahrung unserer wunderschönen bayer-schen Landschaft und Heimat? Gehört nicht auch zur gesellschaftlichen Verant-wortung der Wirtschaft, dass Wirtschaftseliten das Ganze, sprich Nachhaltigkeit, Umwelt und Klima, im Blick haben müssen? 
Prof. Magel forderte, endlich über die Gerechtigkeit für unsere Kulturlandschaft als identitätsstiftende Grundlage unserer Heimatbindung zu reden. Dazu braucht es eine starke und unabhängige Landesentwicklung, die neutral gegenüber lokalem und kommunalem Druck entscheidet. Wir müssen das Bewusstsein für den Stellenwert unserer Landschaft fördern und entsprechend dem Humanökologen Ulrich Eisel „Heimat nicht als ästhetische, sondern als Sinnkategorie“ sehen.
Damit war der Grundstein für eine lebhafte und angeregte Diskussion zwischen den Experten Christian Barth (Amtschef des Bayerischen Staatsministeriums für Umwelt und Verbraucherschutz), Joachim Feldmann (Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft), Andrea Gebhard (Landschaftsarchitektin, BDLA), Holger Magel, Sören Schöbel (Professor für Landschaftsarchitektur regionaler Freiräume, TU München) und Josef Steigenberger (Bürgermeister der Gemeinde Bernried) gelegt.
Der Flächenverbrauch ist ein Spiegel unserer Gesellschaft, viele flächenintensive Maßnahmen unumgänglich. Wenn es um den eigenen Wohlstand geht, dann sind die Natur und Landschaft schnell vergessen. Und gerade deshalb brauchen wir eine Obergrenze für den Flächenverbrauch. Die Wertigkeit unserer Landschaft muss erhöht, das Bewusstsein zur Innenentwicklung geschaffen und die interkommunale Zusammenarbeit gerade im Bereich Gewerbe gestärkt werden.
Das können die Gemeinden und Bürger nicht alleine stemmen. Hier ist die Politik gefordert. Wir brauchen konkrete Vorgaben. Wir brauchen ein Landesentwicklungsprogramm, das die Zusammenhänge aufzeigt. Wir brauchen eine Planung, die Alternativen bietet, die an unsere Landschaft angepasst ist. Wir müssen bereits die Kinder und Jugendlichen an die Bedeutung unserer Landschaft heranführen.
Die Veranstaltung hat deutlich gezeigt, dass wir erst am Anfang stehen. Wir brauchen eine intensive Diskussion und Auseinandersetzung mit dem Thema Flächenverbrauch bzw. Flächensparen. Nur wenn wir alle an einem Strang ziehen, können wir erfolgreich sein. Deshalb müssen wir gemeinsam an Leitpunkte für die Landesplanung in Bayern arbeiten. 

 

Bericht: Huberta Bock,
Stellv. Vors. des Wisseneschaflitchen Kuratoriums der ALR

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