Bayrische Akademie Ländlicher Raum

09.05.2016 zurück

Die Akademie verleiht Preise!

Verleihung der ALR-Preise für den wissenschaftlichen Nachwuchs im Rahmen der Mitgliederversammlung

Gesucht wurden Abschlussarbeiten, die sich in herausragender Weise mit der Zukunft des ländlichen Raums in Bayern beschäftigen.
Im Rahmen der Mitgliederversammlung am 9. Mai 2016 wurden die Preisträger vorgestellt, die die Jury, das Wissenschaftliche Kuratorium der Bayerischen Akademie Ländlicher Raum, für 2014 - 2016 ausgewählt hat.

Von links nach rechts: Prof. Manfred Miosga (ALR), die Preisträger Jomo Zeil, Sabine Kern, Franziska Reutter, Dr. Katrin Korth, Dr. Jutta Ullrich sowie Prof. Kerstin Gothe (Betreuerin), Prof. Sören Schöbel (ALR)

Zwei Akademiepreise (Kategorie 1) und drei Anerkennungspreise (Kategorie 2) wurden verliehen.

 

AKADEMIEPREIS 2016

Jomo Zeil,  Master of Architecture.

Perspektiven einer Hofgemeinschaft
Voraussetzungen für eine zukunftsfähige Wohnform auf dem Land

Kunstuniversität Linz, Institut Raum und Design, Betreuer: Prof. Roland Gnaiger
Wie bringt man neues und zukunftsfähiges Leben in alte Gebäude in ländlichen Räumen, die großen Veränderungsprozessen unterworfen sind? Jomo Zeil entwickelt in seiner Masterarbeit im Fach Architektur einen innovativen transdisziplinären Ansatz zur konkreten baulichen Umgestaltung einer Hofanlage in einem Weiler in Oberbayern: Abtenham im Landkreis Traunstein. Dabei geht es um den Umgang mit alter Bausubstanz, die Vereinbarkeit von Denkmalschutz mit sinnvollen Erweiterungen, notwendigen Ausbauten und Nutzbarmachungen vor dem Hintergrund sich verändernder gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Lebensmodelle auf dem Land.
Aus der Auseinandersetzung mit neuen Konstellationen von Wohnen, Arbeiten und Gemeinschaft entwickelt Herr Zeil nicht nur einen als Projekt schlüssigen und beispielhaften Vorschlag für die Hofanlage in Abtenham, sondern beispielhaft ein Vorgehen im Dialog zwischen Bauherren/Nutzern und Architekten.
Die Masterarbeit befasst sich zudem mit über das Gebäude hinausgehenden regionalen Fragestellungen: die Mischung von Wohnen und Arbeiten, das Thema der Wissensökonomie und Dienstleistung, neuer ländlicher Produktivität, der Kleinen und mittleren Unternehmen auf dem Land, Mobilitätsfragen, etc. Vor allem werden auch Fragen der Bauleitplanung angesprochen, um flexiblere Nutzungsausweisungen als Alternativmodell zu großmaßstäblichen, nicht integrierten Gewerbestandorten zu ermöglichen und kleinmaßstäbliche Lösungen für mögliche Wachstumsbranchen des „green growth" (OECD Agenda) bereit zu stellen.
Die sehr schlüssige Argumentation der Masterarbeit wird in einer durchgängig überzeugenden graphischen Darstellung vermittelt, nicht nur in der Darstellung des Architekturprojekts selbst, sondern auch in der Analyse und Hintergrundbeschreibung für den theoretischen Rahmen. Sie kann als ein deutliches Signal verstanden werden, welch umfassende Mehrwerte mit innovativen Planungshaltungen und Planungsmethoden zu gewinnen sind. Die Arbeit ist mit ihrer gestalterischen und analytischen Präzision ein kleines Manifest für eine neue Haltung der Architektur auf dem Land.
 
AKADEMIEPREIS 2016

Sabine Kern, Master of Arts Landschaftsarchitektur

wind.verhältnis.landschaft.
Proportionsstudien zu modernen Windenergieanlagen
in der bayerischen Landschaft

Technische Universität München, Fakultät für Architektur, Betreuer: Prof. Sören Schöbel
Die Veränderung unserer Kulturlandschaft durch den Bau von Windkraftanlagen sorgt gegenwärtig in ländlichen Räumen für heftige und teilweise unversöhnliche Diskussionen zwischen Klimaschützern auf der einen und Landschaftsschützern auf der anderen Seite. Die Frage, wie Windenergieanlagen so in die Landschaft eingepasst werden können, dass sie den notwendigen Beitrag zur Energiewende leisten, aber dennoch das Landschaftsbild nicht über Gebühr strapazieren, ist eine große fachliche Herausforderung.
Sabine Kern stellt sich dieser Aufgabe in beeindruckender Art und Weise. Sie verfolgt mit ihrer Masterarbeit den Anspruch, nicht nur Einzellösungen, sondern eine grundlegende Methodik für die Integration von Windkraftanlagen in die Landschaft zu entwickeln.
Um Regeln für die Anordnung von Windkraftanlagen zu entwerfen, die mit dem Charakter der Landschaft nicht nur harmonisch korrespondieren, sondern diesen sogar noch unterstützen, unternimmt sie den mutigen Schritt, aktuelle Forschung zur Landschaftsästhetik mit den großen Klassikern der architektonischen Proportionslehre zu verbinden, etwas, was zur Landschaft bisher in dieser Form noch nicht unternommen wurde.
Sie untersucht systematisch drei Landschaftstypen in Bayern, eine ebene, eine hügelige und eine gebirgige, das Lechtal, das Tertiärhügelland und das Fichtelgebirge. Die Strukturen dieser Landschaften werden anhand von Analogien zur Vitruv’schen Proportionslehre („ordinatio“, „„eurythmia“, „symmetria“) analysiert. Diesen Grundmodulen im Raum und ihren Verhältnissen kann sie jeweils Anordnungen von Windenergieanlagen zuordnen und anhand des Goldenen Schnitts sicherstellen, dass sich die neuen Elemente in die Landschaft einfügen, anstatt sie zu dominieren.
Die sehr spannende und in jedem Fall veröffentlichungswürdige Arbeit besticht durch die ambitionierte theoretische Fundierung des eigens entwickelten methodischen Ansatzes. Damit stellt sie nicht nur eine wissenschaftlich beeindruckende Leistung dar, sie ist auch ein wertvoller und konstruktiver Beitrag zur aktuellen Kontroverse um den Bau Windkraftanlagen, aber auch ein grundlegender Beitrag zum Verhältnis von Landnutzung und Landschaft.
 
ANERKENNUNGSPREIS 2016

Franziska Reutter, Master of Science Stadt- und Regionalentwicklung

Regionale und interkommunale Kooperation zur Sicherung der Daseinsvorsorge – Strukturen und Potentiale dargestellt am Beispiel der Region Hesselberg

TU Kaiserslautern, LS Regionale Entwicklung und Raumordnung, Betreuerin: Prof. Gabi Troeger-Weiß
Franziska Reutter beschäftigt sich in ihrer Masterarbeit mit einer sehr aktuellen und drängenden Frage ländlicher Räume - der Sicherung der Daseinsvorsoge. Diese ist vielerorts eine Herausforderung, für die Lösungsmöglichkeiten gefunden werden müssen. Diese Frage wird hier anhand von Strategien der Kooperation behandelt, die für ländliche Räume ein wichtiges Entwicklungsinstrument sind und sein werden. Durch eine sehr umfassende Analyse, die unter­schiedliche methodische Ansätze anwendet und miteinander verknüpft, ist es in der Arbeit anhand eines seit Jahren erfolgreichen Beispiels, der mittelfränkisch und schwäbischen Region Hesselberg, gelungen, konkrete Handlungsempfehlungen herauszuarbeiten. Dabei werden die Lösungsansätze aus den Perspektiven und Meinungen unterschiedlicher Akteure, die zum Gelingen solcher Vorhaben in ländlichen Räumen beitragen können, entwickelt. Die Arbeit liefert grundlegende Entwicklungs­ideen, die für andere ländliche Kommunen und Kooperationen, die ähnlich strukturiert sind, Impulse setzen können und übertragbar sind. Die Arbeit zeichnet sich durch eine intensive Auseinandersetzung mit der Fragestellung aus und besticht durch einen kreativen, lösungsorientierten und praxisnahen Umgang mit der Problemstellung. Die Masterarbeit zeigt Wege auf, wie die Sicherung der Daseinsvorsorge erfolgreich gestaltet werden kann.
Die Arbeit ist als pdf über diesen externen link abrufbar
 
ANERKENNUNGSPREIS 2016

Dr. Jutta Ullrich, Dipl.-Ing. Stadtplanung

Dörfliches Wohnen.
Geschichte, Projekte und Perspektiven ländlicher Gemeinden in Deutschland

Universität Stuttgart, Fakultät für Architektur und Stadtplanung, Betreuer: Prof. Tilmann Harlander, Zweitbetreuung: Prof. Kerstin Gothe, Karlsruher Institut für Technologie
Die Dissertation von Frau Ullrich ist eine beeindruckende und umfangreiche Erhebung zum Stand des Wohnungsbaues auf dem Land, die in dieser Form in Deutschland bisher nicht verfügbar war. Sie betrachtet zahlreiche Beispiele für Neu- und Umbauten, mit einem gezielten Blick auf architektonische Qualitäten, die vor allem an der Schnittstelle zu sehr verschiedenen und neuen Wohn- und Lebensformen gerade auch in innovativen Modellen gesucht werden. Der Autorin gelingt eine Zusammenstellung, die eine umfassende Übersicht wesentlicher Themen aktueller Wohnarchitektur auf dem Land in Form von Guten Beispielen aus verschiedenen politischen Programmbereichen biete. Gerade vor dem Hintergrund des fortschreitenden demographischen, sozialen und ökonomischen Wandels ist die Betrachtung architektonischer Modelle für neue Lebensformen auf dem Land von wachsender Aktualität und großer Bedeutung. Frau Ullrich leistet mit ihrer Arbeit einen wertvollen Beitrag zur Debatte der Orts- und Regionalentwicklung auf dem Land, wobei in der Multifunktionalität eine der zentralen nachhaltigen Zukunftsperspektiven gesehen wird. Ihre strukturierte Übersicht von ‚Best Practice’ Beispielen ist ein wichtiger Beitrag zu architekturtypologischen Fragen des Bauens auf dem Land.
 
ANERKENNUNGSPREIS 2016

Dr. Katrin Korth, Dipl.-Ing. Freiraum- und Verkehrsplanung

Wasserarchitekturen auf städtischen Plätzen in
Kleinstädten und kleinen Mittelstädten in Baden-Württemberg.

Karlsruher Institut für Technologie, Architekturfakultät, Betreuung: Prof. Kerstin Gothe FG Regionalplanung und Bauen im Ländlichen Raum. Zweitbetreuung: Prof. Antje Stokmann, Universität Stuttgart, Institut für Landschaftsplanung und Ökologie
Diese Doktorarbeit setzt auf ein heute ganz ungewohntes Format, nämlich auf eine ganzheitlichen Gesamtschau zu einem Element des städtischen öffentlichen Raumes. Noch viel grundlegender als der Titel es erahnen lässt, analysiert sie Wasseranlagen sowohl aus der theoretisch-sozial­wissenschaftlichen wie auch aus der technisch-ingenieurwissenschaftlichen Perspektive. Damit spricht Arbeit Wissenschaft wie Praxis an, und diesem eigenen Anspruch wird sie so gerecht, dass das Lesen nicht nur aufschlussreich, sondern ein Vergnügen ist. Sie erfasst auf netto 340 Seiten alle für das komplexe Thema relevanten funktionalen und formalen Aspekte gleichermaßen (kulturelle, gestalterische, räumliche, technische, klimatische, ökologische, soziale, partizipative, finanzielle etc.). Die Arbeit gliedert sich in einen historisch-theoretischen und einen empirischen Teil, die Klammer bildet sich auf der konzeptionellen Ebene. Sie ist, vor allem mit ihrer jeweils auch historischen Darstellung aller Aspekte viel grundsätzlicher, als ihre eigene Zuschreibung auf „Wasserarchitekturen, zwischen 1990 und 2012 (S. 29) in Kleinstädten Baden-Württemberg errichtet“ vermuten lässt. Eine hervorragende Beispielsammlung von historischen und zeitgenössischen Abbildungen, zahlreiche Exkurse zu Sonderfragen und steckbriefliche Beschreibungen untermauern die Darstellungen.

 

Fotos der Preisverleihung -
Die Preisträger erhalten eine Urkunde und einen Scheck
 
Die Laudatio hielten abwechselnd Prof. Manfred Miosga (Vors. des Wiss. Kuratoriums) und Prof. Sören Schöbel (Stellv.Vors.). Die Urkunde wurde von Akademie-Präsident  Prof. Holger Magel überreicht und der Scheck mit dem Geldpreis von ALR-Schatzmeisterin Andrea Bastian.

 

Silke Franke, Geschäftsführerin,
9.Mai 2016

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