Bayrische Akademie Ländlicher Raum

04.07.2016 zurück

"Die Natur ist leistungsfähig, wir müssen sie nur lassen"

Das Wissenschaftliche Kuratorium im Gespräch mit einem Biolandwirt

 

 
"Aufgrund der riesigen Herausforderung durch Klimaschutz, Artenschutz und Welternährung ist die Zeit reif für eine konsequente Neuausrichtung der Landnutzungssysteme. Es reicht nicht, Systeme zu optimieren - wir müssen sie neu denken. Die Natur ist leistungsfähig, wir müssen sie nur lassen". Dies ist die Überzeugung von Landwirt Braun, der mit seiner Frau einen Biohof in der Nähe von Freising führt: "Wir arbeiten in Partnerschaft mit der Natur und versuchen die Naturgesetze von Boden, Pflanzen, Tier und Mensch am Hof zu verstehen."
Der Familienbetrieb wird seit 1988 nach den organisch-biologischen Richtlinien von Bioland bewirtschaftet und ist bei "Tagwerk" dabei, dem regionalen Erzeuger-Verbraucher-Netzwerk.
Die Schwerpunkte des Biolandhofes liegen beim Pflanzenbau (Futterbau, Saatguterzeugung von Getreide, Wiesenblumen) und bei der Milchviehhaltung mit Käseherstellung.
Mitglieder der Bayerischen Akademie Ländlicher Raum (Wiss. Kuratorium) diskutierten vor Ort mit dem Landwirt über seine Ideen und Praxiserfahrungen. Nachfolgend ein paar Eindrücke:
Tier: Ob Kuhstall oder Hühnerstall - die Architektur richtet sich primär nach den Bedürfnissen der Tiere aus. Braun interessiert sich daher für die Verhaltensforschung. Die Tiere können entscheiden, ob sie lieber im Freien grasen oder im Stall stehen, wo sie Heu als Grundfutter erhalten. Die Heutrocknung läuft mittels Holzvergasung. 
Mensch: "Wir stellen lieber Menschen ein als Maschinen"
Natur: Landwirt Braun gilt weithin als "Bodentüftler".  Seine wichtigsten Mitarbeiter für einen fruchtbaren Boden sind die Regenwürmer. Sie lockern den Boden auf und er muss nicht mehr pflügen. Auch der Anbau von Feldfrüchten orientiert sich an der Erhaltung der Bodenfruchtbatkeit, so dass es dem Landwirt erfolgreich gelingt, Humus aufzubauen. Ein anderes Beispiel ist der Schutz der Bienen: "Toll wäre z.B. ein bienenfreundliches Mähwerk. Leider hat sich in in der Heuerntetechnik in den letzten Jahren wenig entwickelt - also gilt es, das selbstanzustoßen und Partner zu finden".

  

(Fotos: Silke Franke, 2016)

Der Biohof ist ein Demonstrations- und Pilotbetrieb. Braun: " Wir brauchen mehr Mut für Experimente. Um Probleme zu lösen, sollten wir schauen, was das System selbst kann und uns an der Natur und an den Menschen orientieren".  Leider, so auch selbstkritische Töne der Diskutanten, spezialisieren sich die Großunternehmen und die Wissenschaft auf wenige, lukrative Felder. Das Wissen um Zusammenhänge und Nebeneffekte fehlt. Braun: "Das gibt es oft eine zu einseitige Betrachtung, dabei gäbe es noch viel Grundlagenforschung zu betreiben, wenn man nur die richtigen Fragen stellt und herausfinden wollte, wie die Natur funktioniert".

Landwirt Josef Braun in Diskussion mit Prof. Sören Schöbel, Prof. Manfred Miosga und Prof. Alois Heißenhuber sowie weiteren ALR-Mitgliedern. Braun: "Statt immer nur auf die bekannten Kenngrößen zu schauen, etwa: 'Welche drei Hauptbestandteile im Futter fördern die Leistungsfähigkeit', könnte man schauen, was die Kuh selbst als Futtter braucht, und entdecken, welche Kräuter ihr gut tun". 

"Agroforstwirtschaft". Die Bäume spenden den Tieren Schatten, lockern das Landschaftsbild auf und liefern den Rohstoff für die Strom- und Wärmeerzeugung. Vielfalt fördert ein Gleichgewicht in der Fläche.

Braun: "Die Mischung macht´s"

Die Schweine fühlen sich im Stall mit den Kühen offensichtlich sauwohl.

Ein neues Projekt: Der Hühnerstall mit einer Zweinutzungsrasse. Er bietet den Hühnern viel Platz, von der Wiese über den "Wintergarten" mit Futterstelle und Sandkiste bis zur Hühnerstange und den Brutplätzen.

Kostproben von den eigenen Produkten im Hof-Cafe!

Braun: Wir brauchen ein fairen Preis für die hohe Qualität und müssen neue Partnerschaften suchen, die einen Mehrwert für alle bieten.

 

 

Mit dem Thema Landwirtschaft beschäftigen wir uns weiter: Am 11. Juli 2017 findet das Kolloquium zu "Biodiversität und Landwirtschaft" in München statt.

Nachtrag: Bericht zur Veranstaltung hier (link)

 

Silke Franke, 2016

 

 

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