Bayerische Akademie Ländlicher Raum

18.06.2018 zurück

1988 - 2018: 30 Jahre Akademie Ländlicher Raum

Festakt mit Staatsempfang am 13. Juni 2018. Schirmherr: Der Bayerische Ministerpräsident Dr. Markus Söder, MdL

 
Der Festakt fand in der Allerheilgenhofkirche in München statt. Präsident Prof. EoE Dr. Holger Magel begrüßte die Gäste. Weitere Grußworte kamen von Dr. Uwe Brandl und Alois Glück. Als Festredner konnten Staatsminister Albert Füracker und der Naturphilosoph Prof. Dr. Harald Lesch gewonnen werden.

 

Wettstreit um die beste Lösung
Im ersten Grußwort wies Dr. Uwe Brandl, Präsident des Bayerischen Gemeindetages sowie des Deutschen Städte- und Gemeindebundes, auf das „natürliche Bündnis“ von der Akademie und dem Verband der bayerischen kreisangehörigen Gemeinden hin. Akademie und Bayerischer Gemeindetag würden bei zahlreichen Themenfeldern an einem Strang ziehen. Brandl, mit Verweis auf das "gelungene Memorandum" befand: "Die Akademie Ländlicher Raum wirkt, nicht zuletzt wegen Holger Magel als leidenschaftlichen und prominenten Präsidenten".
Dass es auch einmal Meinungsverschiedenheiten hinsichtlich der konkreten Ausgestaltung des Verfassungsgrundsatzes „des Ziels der gleichwertigen Lebensverhältnisse und Arbeitsbedingungen in Stadt und Land“ kommen kann, „gehört zum freundschaftlichen Wettstreit um die beste Lösung für die Menschen im ländlichen Raum in Bayern“, so Brandl.
Rede Brandl

 

Querdenker für Innovationen
Wie kommt das Neue in die Politik? Dies rekapitulierte Alois Glück, Landtagspräsident a.D., am Beispiel der Agrarpolitik, als Hans Eisenmann zu seiner Zeit als Agrarminister den "Bayerischen Weg" erkämpfte und damit die Multifunktionalität der Landwirtschaft anerkannte - gegen den Mainstream der Zeit. Eisenmann war die politische Schlüsselfigur, doch die Bewegung entstand aus der Landjugend heraus, wie Glück erläuterte. Glück: "Es geht von den Querdenkern aus und von Bürger, die die Initiative ergreifen. Dann braucht es die Schlüsselpersonen in der Politik, die sie aufgreifen, und Wissenschaftler, die sich damit fachlich auseinandersetzen". Die schwierigste Rolle, so Glück, habe die Politik, denn sie müsse abwägen und sich der Kritik stellen. Glück: "Derzeit haben wir das Problem, dass es chick geworden ist über Politik schlecht zu reden".
Gut ausgeprägte Streitkultur in Bayern
Prof. Dr. Harald Lesch griff den Gedanken auf und sinnierte über ein all zu oft von "Selbstbedienungsmentalität einerseits und Erwartungshaltung andererseits" geprägtes Staatsverständnis. Den Bürgern sei gar nicht klar, was die Verwaltungen alles leisten und was im "Hintergrund läuft - damit alles läuft". In einer komplexeren Welt sei nunmal die Gefahr größer, Fehler zu begehen. Das trifft auf einen selbst zu wie auch auf die Politik. Lesch: "Wir sollten uns öfter ein offenes Gespräch über Fehler leisten und mehr Verständnis füreinander aufbringen. Streitkultur ist ein hohes Gut. Und sie ist in Bayern gut ausgeprägt".
Pioniere für die Heimat
Staatsminister Füracker - selbst Mitglied - bezeichnete die Bayerische Akademie Ländlicher Raum als Ideengeber, Vordenker, Berater und Inspiration und wünscht sich, miteinander im Gespräch zu bleiben: "Mit dem heutigen Festakt feiern wir nicht nur drei Jahrzehnte Einsatz der Akademie für Bayern und seine ländlichen Räume. Im Mittelpunkt steht insbesondere auch die Bedeutung, die der ländliche Raum und dessen Entwicklung für die Bayerische Staatsregierung hat und die konstruktive Zusammenarbeit zwischen Akademie und Staatsregierung“.
Mit Blick auf die Fortschreibung des Landesentwicklungsprogramms (LEP), die die ALR ebenso beharrlich wie kritisch begleitet hat, meinte er: "Das Land entwickelt sich trotz LEP manchmal anders als wir glauben. Und das liegt nicht daran, ob eine Gemeinde nun als ein Oberzentrum oder als ein Mittelzentrum eingestuft wird, sondern daran, wie kreativ und engagiert die Menschen vor Ort von sich aus sind". Sein Ziel, gemäß dem "Bayernplan" lautet daher, die Menschen zu aktivieren und nicht zu alimentieren. Sein Aufruf zum Schluss: "Lasst uns Pioniere für unsere Heimat sein".
Kompetenz und Dialogbereitschaft
Magel räumte in seiner Begrüßung ein: "Natürlich haben wir auch manchmal aufgeschrien, wenn aus unserer Sicht die Balance von ökonomischen, ökologischen und sozialkulturellen Aspekten nicht gewahrt wurde - wir sind freie Geister, die erklären und experimentieren, die aber auch nachfragen und  gegebenenfalls anzweifeln und korrigieren". Doch bei all dem sei die Akademie in erster Linie als Partner zu verstehen.
Magel: "Wir wünschen uns auch weitererhin Staatsregierungen, Parlamente und Kommunen, die die unverzichtbare Rolle von ehrenamtlich tätigen Organisationen wie der ALR (an)erkennen und deren Kompetenz und Dialogbereitschaft nutzen"
Wie sich die ALR die Zukunft der ländlichen Räume vorstellt, hat sie in einem gemeinsam mit zahlreichen Mitgliedern verfassten Memorandum niedergelegt, das im Rahmen des Festakts erstmals der Öffentlichkeit präsentiert wurde. Darin heißt es: "Wir verfolgen die Ziele einer gleichwertigen Entwicklung der Lebens- und Arbeitsbedingungen im ganzen Land im Sinne einer räumlichen Gerechtigkeit". Dieses Gerechtigkeitsmodell, so betonte Magel, wurde sogar Referenzrahmen aller Vorschläge im Schlussbericht der Enquete-Kommission "Gleichwertige Lebensverhältnisse in ganz Bayern" des Landtags.
Rede Magel
 
Schließlich darf im Rückblick auf die vergangene 30 Jahre noch angemerkt werden, dass mit dem Gründungsvorsitzenden Elmar Zepf und dem ersten Geschäftsführer der Akademie, Hermann Krimmer, zwei höchst verdiente Männer der ersten Akademiestunden unter den Gästen waren. Unvergessen bleibt der Einsatz von Elmar Zepf, der zusammen mit Magel, Krimmer und mehr als zehn weiteren Getreuen die Akademie als Sprachrohr für den ländlichen Raum in Bayern verankerte. Zahlreiche weitere Mitglieder, darunter Landtagsabegordnete verschiedener Fraktionen, feierten mit uns das Jubiläum.
Durch die Veranstaltung führte Andrea Bastian.

Die musikalische Umrahmung lieferte Luz Amoi.

 

"Mit 30 Jahren ist die Akademie im allerbesten Alter: Sie wird leidenschaftlich und prominent von Holger Magel geführt. Sie ist in ihrem Präsidium und ihrem Wissenschaftlichen Kuratorium optimal aufgestellt. Sie wirkt medial, in der Politik, mit Veranstaltungen und Publikationen. Sie ist hat einen prominenten Mitgliederstamm aus ganz Bayern. Und Sie wird in den kommenden 30 Jahren mehr gebraucht denn je" (Dr. Uwe Brandl).

 
Lesen Sie hier auch den Berichtr von L. Holly, Veröffentlicht im Bayerischen Landwirtschaftlichen Wochenblatt vom 29.06.2018.
Silke Franke, 2018
 

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