Bayerische Akademie Ländlicher Raum

30.09.2018 zurück

Prominente Mitglieder der Akademie in polnischen Wissenschaftlichen Beirat berufen – Magel zum Vizevorsitzenden gewählt

Krakau, im September 2018. Auf Einladung der Wojewodschaft Kleinpolen und der Landwirtschaftlichen Universität Krakau reisten mehrere Mitglieder der ALR (Präsident Magel, MR Ewald, Bgm. Eibl und Bgm Steigenberger sowie Karl Spindler) zur 12. Internationalen Wissenschaftlichen Landmanagement- und Landentwicklungskonferenz nach Krakau.

Als Vertreter der Veranstalter begrüßten Dr. habil. Stanislaw Sorys, Vizemarschall der Wojewodschaft Kleinpolen und Akademiemitglied Dr. habil. Jacek Pijanowski von der Landwirtschafltichen Universität Krakau die etwa 60 Fachteilnehmer und führten in das Thema "Rolle der Landentwicklung in der Entwicklung des Ländlichen Raums" ein.

Bei den Fachvorträgen stellte u.a. Knut Rommel, Leiter des Amtes für Landentwicklung und Flurneuordnung Meiningen, das Instrumentarium der Flurneuordnung zur Lösung von Landnutzungskonflikten in Thüringen vor.

Akademiemitglied Landschaftsarchitekt Karl Spindler zeigte anhand von Beispielen aus Bayern die Rolle der Bürgerbeteiligung, Methodik der Dialogplanung sowie Ansätze zur Idee und Umsetzung ökologisch orientierter Planung in der Ländlichen Entwicklung Bayerns auf.

Anhand eines bayerisch-chinesischen Kooperationsbeispiels im Ländlichen Raum der Provinz Sichuan, VR China, stellte er Kernprobleme und planungsmethodische Ansätze zur Leitbilderarbeitung vor, die zu einem koordinierten Masterplan für eine Gemeindeentwicklung führt.

In der von ALR Mitglied MR Wolfgang Ewald geleiteten Podiumsdiskussion kamen die aktuellen Herausforderungen des Ländlichen Raums in Kleinpolen zur Sprache, während die beiden ersten Bürgermeister Manfred Eibl,  Markt Perlesreuth, und Josef Steigenberg, Gemeinde Bernried (auch ALR Mitglieder) eine Analyse aus Sicht unterschiedlicher bayerischer Landgemeinden darlegten.

Zum Abschluss der Konferenz mahnte Prof. Dr. Magel ein seit Jahrzehnten fehlendes gesetzliches Instrumentarium zur Flurbereinigung und Landentwicklung an - obwohl Polen nun schon lange EU Mitglied (seit 2004) und Empfänger hoher Förderungen zur Ländlichen Entwicklung sei. In seiner Zusammenfassung wies er auf das Modell der Räumlichen Gerechtigkeit der Enquete-Kommission in Bayern hin und auf die Erfordernisse einer Gesamtstrategie für den Ländlichen Raum und eine nachhaltige Landentwicklung. Viel zu sehr sei Polen immer noch auf landwirtschaftliche Förderung fixiert und sehe darin den Weg zur Zukunftssicherung des Ländlichen Raums. Magel forderte die Wissenschaftler gerade auch der Universitäten auf, diesbezüglich offener und mutiger neue außerlandwirtschaftliche Perspektiven und Wege für die Entwicklung des ländlichen Raums zu diskutieren und sich nicht ewig in Flurbereinigungsfragen zu verlieren. Deutschland und Bayern bieten sich als Partner und Studienobjekt für den Wandel von agrarisch verfassten zu modernen Dienstleistungsgesellschaften an.

Angesichts dieser Aussagen passte es wunderbar, dass sich der Konferenz die konstituierende Sitzung des Wissenschafltichen Beirats für das im Sommer 2018 u.a. auf Anregung Magels und unter maßgeblicher Verantwortung und Führung von Dr. Sorys gegründeten kleinpolnischen "Instituts für Ländliche Entwicklung" an. Die Vollversammlung des Vereins für Ländliche Entwicklung hatte zuvor schon Dr. Jacek Pijanowski zum Vorsitzenden des international und interdisziplinär besetzten Beirates gewählt und 14 weitere Persönlichkeiten in den Beirat berufen. Von der ALR sind dies neben Prof. Dr. Magel die Mitglieder Prof. Dr. Manfred Miosga, Wolfgang Ewald, Manfed Eibl und Josef Steigenberger. Prof Dr. Magel und der sehr bekannte Ökonom Prof. Jerzy Hausner von der Wirtschaftsuniversität Krakau wurden bei der Sitzung zum stellvertretenden Vorsitzenden des Beirats gewählt.

Die mehrstündige Diskussion erstreckte sich auf spannende Themen wie die Bodenverfassung und - ihr recht, die Rolle der Landwirtschaft, institutionelle Fragen, Kreislaufwirtschaft, Balance von Stadt und Land, räumliche Gerechtigkeit, die Rolle der Frau im Ländlichen Raum sowie die Rolle der Gemeinden, die ganz offensichtlich total anders, nämlich schwächer ist als in Deutschland.

Als erster Schritt sind nun ein Einstiegsworkshop mit Fachexkursion in den ländlichen Raum geplant; zuvor soll eine Bestandsanalyse zum Ländlichen Raum Kleinpolens erarbeitet werden.

Karl Spindler, 21.09.2018

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